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Value: KGV zur Aktienauswahl

KGV, oft auch P/E (Price-Earnings-Ratio) genannt, ist das Verhältnis von Unternehmensgewinn zum Unternehmenswert. Je größer das KGV, desto teurer die Aktie. Das KGV stellt dar, wie viele Jahre es benötigt, bis die aufsummierten Unternehmensgewinne dem aktuellen Kaufpreis entsprechen.
Earning-Yield ist das inverse P/E und stellt damit dar, wieviel Prozent vom Kaufpreis man jedes Jahr als Gewinn erhält. Hiermit kann man die Aktienbewertungen zB. mit der Anleihenrendite besser vergleichen.

Value Investoren wollen Unternehmen zu Schnäppchenpreisen erwerben und setzen daher unter anderem auf Titel mit einem niedrigen KGV. Wir wollen statistisch anhand des US Aktienmarktes vom 01.01.1995 bis 31.10.2024 untersuchen, ob dieses Vorgehen sinnvoll ist.
Die erste zu klärende Frage in diesem Zusammenhang: Wie verhalten sich die Aktienkurse von Unternehmen die bilanzielle Verluste aufweisen (und damit negativen KGVs) im Vergleich zu Unternehmen die Gewinne machen?

 

  US Aktienmarkt KGV > 0 KGV <= 0
durchschn. Titel Anzahl 3338 1836 1502
Annualisierte Rendite 8,12% 10,90% 4,08%
Sharp Ratio 0,14 0,19 0,08

Wie man unschwer erkennen kann, ist es anscheinend keine gute Idee in Unternehmen zu investieren, die Verluste ausweisen. Um den Renditeeffekt im Zeitverlauf darstellen zu können haben wir simuliert, in ein Portfolio jeweils Quartalsweise die Titel mit Gewinnen (Summe der letzten 4 Quartale) gleichgewichtet zu kaufen und in ein zweites Portfolio die Titel mit Verlusten.

 

Anhand des Spreads der beiden Portfolios kann man gut erkennen, dass es ein paar Phasen gibt, in denen Unternehmen mit Bilanziellen Verlusten besser performt haben. Das sind jeweils die Erholungsphasen nach massiven Abverkäufen (März 2003, März 2009, Corona 2020). Dieser Effekt ist bekannt als Dead-Cat-Bounce. Auch eine tote Katze springt, wenn Sie von hoch genug herunterfällt. Beispiel: Nach dem Ende der Finanzkrise im März 2009 sind die besonders stark unter die Räder gekommenen Bankaktien in den nächsten Monaten massiv gestiegen.
Wer glaubt den unteren Umkehrpunkt nach Marktzusammenbrüchen treffsicher vorhersagen zu können, für den sind Aktien von Unternehmen die Bilanzielle Verluste schreiben für rund 12 Monate eine gute Wahl. Für alle anderen gilt: Unternehmen, die Verluste schreiben, sind kein gutes Investment.

Eine Besonderheit stellt die Dotcom-Bubble 1999 dar, in der eine hohe Cash-burn-Rate den Anlegern wichtig erschien. Nach dem Platzen brachen die Kurse der Cash-Burner dann aber umso massiver zusammen.

Da wir uns (und fast allen anderen Anlegern) nicht zutrauen, in einem Crash den unteren Umkehrpunkt zu lokalisieren, beziehen sich die folgenden Auswertungen ausschließlich auf Unternehmen mit positiven Earnings. Diese Unternehmen unterziehen wir diverse Deziltests (unterschiedliche Selektionszeitpunkte und Haltedauern). Tatsächlich findet man den vermuteten Zusammenhang zwischen Bewertung und Aktienrendite: Je höher der Earning Yield umso höher auch die Investitionsrendite in die selektierten Unternehmen. Allerdings wird diese Überrendite in den Top Dezilen mit höherer Volatilität erkauft, sodass tatsächlich die Sharp Ratios der günstigsten Aktien schlechter ausfallen, als das breite Mittelfeld. Wobei besonders teure Unternehmen (Dezil 1) nicht nur eine schlechtere Rendite sondern obendrein eine höhere Volatilität aufweisen. 

 

Es erscheint daher sinnvoller, besonders teure Unternehmen (Dezil 1) zu meiden anstelle des üblichen Value Ansatzes die günstigsten Aktien zu kaufen.

Man könnte einwenden, dass das Sortieren des kompletten Aktienmarktes nach dem KGV evtl. zu Sektor Klumpen in den Top oder Flop Dezilen führt. Politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen können dazu führen, dass ganze Industriezweige / Sektoren aktuell als nicht interessant angesehen werden und daher von den Anlegern abverkauft werden und andere Sektoren als besonders interessant betrachtet werden und die Anleger bereit sind weit höhere Bewertungen zu bezahlen. Um Sektor Klumpen als Quelle des Effektes zu entkräften, haben wir alle Deziltests auch als Sortierung je Sektor durchgeführt. 

Tatsächlich führt diese zu quasi identischen Ergebnissen. Damit erscheint das Vermeiden von besonders teuren Unternehmen sowohl in einem globalen Portfolio als auch auf Sektorebene sinnvoll. 
Wenn man nur Unternehmen mit Gewinnen auswählt und zusätzlich noch aus jedem Sektor und aus dem Gesamtuniversum auf die 10% teuersten Aktien verzichtet erhält man folgendes Ergebnis: